Orgelausreinigung

Liebe Gottesdienstbesucherinnen und Besucher, liebe Musikfreunde, liebe Orgelliebhaber


Zur vollendeten Orgelausreinigung, Umdisponierung und Neuintonation des  Instrumentes erlaube ich mir Ihnen eine kleine Dokumentation mit Informationen, Hintergründen und Details der gelungenen Arbeit des ausführenden Orgelbauers aufzuzeigen und vorzulegen.

Vor über 20 Jahren wagte die Gemeinde Sickenhausen den Schritt zur Neuanschaffung einer richtigen Pfeifenorgel. Schon damals wurde in vielen Gemeinden heftig diskusstiert, ob nicht auch ein elektronisches Instrument zu einem deutlich geringeren Preis ausreichend sei. Die finanziellen Auf-wendungen für eine traditionelle Pfeifenorgel sind hoch und müssen meist mühsam begründet und mit viel Überzeugungsarbeit durchgesetzt werden.  

In vielen anderen Gemeinden wurden elektronische Instrumente angeschafft, die auf den ersten Blick günstiger waren. In der Zwischenzeit  traten Klangdefizite und Ausfälle auf und erforderten teure Reparaturen.  
Im Schnitt müssen alle 15 Jahre neue Instrumente angeschafft werden,
damit die Gottesdienste musikalisch befriedigend gestaltet werden können.
Nur bei extrem teuren elektronischen Instrumenten kann in seltenen Fällen von einem zufriedenstellen Klang oder Konzerteinsatz ausgegangen werden.

Die Gemeinde hat sich für den mühsameren Weg entschieden und wird nun in den folgenden Jahren mit einer Fülle an Klang und Harmonie gesegnet.

So ist es immer wieder interessant und erstaunlich,  was uns die Zeit, resp. Geschichte, an wunderbaren Dingen zeigt und schenkt.    

 

Zu jeder Zeit bemühen sich immer alle mit ihrer Energie, ihren Erfahrungen und Wünschen etwas Gutes zu schaffen. Dieses Schaffen ist nicht nur im Sinne der Arbeit sondern auch mit guten Gedanken der Kreativität verbunden. Jeder bringt sich ein in ein Projekt und es entsteht eine Sache, die, wie das Sprichwort sagt,
 „das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile“.
Wie hier vor über 20 Jahren geschehen, als „ Sickenhausen“ das „Orgelprojekt“ in Angriff nahm und einen  Grundstein legte, über den ich immer wieder staune und mich freue. Es war keine Selbstverständlichkeit sich für so ein großes Projekt zu entscheiden und in die Realität umzusetzen.

Nun nagte der Zahn der Zeit etwas an den Materialien, die Umwelt- und Luftbelastungen steuerten auch noch ihren Teil dazu bei, der Zeitgeist hat sich etwas gewandelt und letztendlich haben sich alle in irgendeiner Form weiter entwickelt, so daß die Gemeinde wieder vor einer sehr schwierigen Entscheidung stand, erneut einem Projekt zuzustimmen oder, aus heutiger Sicht aus betrachtet, das gigantische und bisher versteckte Potential des Instrumentes weiterhin schlafen zu lassen.

Nach reiflichen Überlegungen, interessanten Diskussionen und Expertenmeinungen und trotz erheblicher Risiken, die eventuell durch versteckte und schlummernde Mängel zu befürchten waren stimmte der Kirchengemeinderat dem Projekt zu.
Aus heutiger Sicht eine mutige, weise und glückliche Entscheidung.

Die folgenden Bilder zeigen den Zustand des Instrumentes, einiger Pfeifen und der Mechanik. Unzulänglichkeiten der Konstruktion und deren Änderungen wurden durchgeführt, sind aber photografisch nicht darstellbar, jedoch eindeutig hörbar.
Der Großteil diese Veränderungen wurden durch Materialveränderungen und Umwelteinflüsse hervorgerufen, aber auch durch konstruktionsbedingte Parameter, die sich erst nach dem Aufstellen im Raum zeigten und zum damaligen Zeitpunkt nicht beseitigen ließen.

Instrument vor Beginn der
Arbeiten

Starke Verschmutzung durch Umwelteinflüsse (Staub), eingesackte Pfeifenfüße durch Materialermüdung

In der Werkstatt / Kirche vor Ort wurden einige Pfeifenfüße überarbeitet, absägen eines fehlerhaften Fußes

Anlöten eines neuen, verstärkten Fußes

Im Vordergrund die eingesackten, dahinter die neuen und verstärkten Pfeifenfüße.

Alle Pfeifen wurden entfernt,
das kpl. Gehäuse gereinigt,

(schwindelnde Höhen sind für
die Schweizer Alpinisten kein
Problem …)

Blick ins Schwellwerk

Die Kirche voller „Pfeifen“
Gedeckt 8‘
Quinte 2 2/3‘

Rohrflöte 4‘ alt

Auch die kpl. Mechanik
wurde überprüft,
überarbeitet und
neu reguliert.

Blick in die Spielmechanik
1. Manual und die
Registerzüge

Wellenbrett mit Pedalmechanik, Koppelmechanik und  Schwelltritt

Anschließend wurde die Umdisponierung vorgenommen, d.h. einige Register wurden in der Orgel umgestellt, dazu mußten die Pfeifenstöcke angepaßt werden.
In der Schweizer Werkstatt hat
Peter Meier Vorarbeiten an den
meisten Pfeifen vorgenommen,
hat das neue Register Rohrflöte
vorintoniert und die Zungen
der Trompete kpl. überarbeitet,
damit sich dieses Register nun
harmonisch in das Gesamtkonzept
einreihen kann.

Vorintonation Rohrflöte 8‘

die Kehlen/Zungen
der Trompete 8

Die Krönung der Arbeit und gleichzeitig die größte Herausforderung war die Neuintonation aller Pfeifen. Dies bedeutet, daß jede Pfeife nun ihren individuellen Klang im Raum bekommt.
Durch die Bearbeitung des Labiums wird ihr das Ansprechverhalten, die Klangfarbe und Intensität gegeben. Dies ist die höchste Kunst des Orgel-bauers, es dokumentiert seine Musikalität und zeichnet sein Können aus.

Sie beinhaltet gleichfalls ein hohes Risiko, denn wenn er sich verschneidet, ist die Pfeife unwiderruflich zerstört!

Erforderlich war diese Arbeit, weil sich in der Zwischenzeit nicht nur die Philosophie des Orgelbaus, sondern auch die Anforderungen und Bedürfnisse im Rahmen der Liturgie geändert haben.
Ein großes Glück und nun auch ein Segen für das Instrument (und die Gemeinde) ist es geworden, daß Peter Meier mit Mut und Energie diese  Arbeit überaus erfolgreich durchgeführt hat.
Er hat das verborgene Potential des Instrumentes erkannt und zum  Leben/Klingen gebracht.

Hier sei nun, nach den ersten Klangeindrücken während der Gottesdienste erwähnt, daß die Entscheidung des Kirchengemeinderates,  dieses Projekt in Angriff zu nehmen  „goldrichtig“ war.

Wie bei vielen Dingen kann das Ergebnis im Verlauf der Jahre immer besser werden, aber nur wenn die Grundlage stimmt. Für dieses Instrument stimmte  die Grundlage und nun hat ein junger, hochbegabter, hochmotivierter Handwerker und Klangkünstler (ein Orgelbauer, mit all diesen Fähigkeiten ist sehr selten) es geschafft, aus diesem Klangkörper ein  Musik-Instrument  zu schaffen, das durch seine Klänge, zur Erbauung der Menschen,  zur Freude und Öffnung der Seele und zum Lobe Gottes sehr viel beitragen kann.

Nach der Beseitigung der Verunreinigungen und der Entfernung des Staubes der letzten Jahre  offenbarte sich nun der lange Zeit verborgene und nicht vermutete Schatz.

Ein Kunstwerk an Klang, Energie, Transparenz und Fülle ist entstanden, das in weiten Teilen des Landes seinesgleichen sucht. Es ist eine besondere Freude mit diesem Kunstwerk musizieren zu dürfen und ich wünsche, daß dieser Funke, diese Energie und Freude bei jedem Erklingen auf die Zuhörer überspringt.

In diesem Sinne beglückwünsche ich die Gemeinde, spreche meinen herzlichen Dank aus für das Vertrauen, das unserem Projekt entgegen gebracht  wurde und freue mich nun auch auf das Ankommen des Herren im Advent (dem Schatz der Gläubigen) und grüße Sie mit den Worten der Inschrift, die auf vielen Instrumenten aufgebracht wurde:     

S – D – G.     Soli Deo Gloria
Gott allein zur Ehre.



Michael Aicheler.

P.S.: natürlich freuen wir uns auch auf jede kleine Spende und finanzielle   
         Unterstützung die für unser Projekt hier ankommt.