Unsere Kirchen und Gemeindehäuser

Degerschlacht: Martin-Knapp-Str. 2

Sickenhausen: Friedrichstraße 9

Degerschlacht

Die Petruskirche hat schon eine ziemlich wechselhafte bis aufregende Geschichte von mehr als einem halben Jahrtausend hinter sich. Im Jahre 1450 wird die Kapelle von Degerschlacht erstmals erwähnt. 1616 ist die kleine Glocke des Kirchleins bereits seit 20 Jahren in Betrieb und es wird eine große Glocke gegossen und installiert. Bei der Erneuerung des schadhaften Kirchturms von 1679-1682 wird auch die erste Empore eingebaut und die Jahreszahl 1681 in den Türbogen der dekorativ gestalteten Seitentür auf der Nordseite eingemeißelt. 1775 ist der Kirchturm erneut vom Einsturz bedroht und die große Glocke bekommt einen Sprung.

Wegen „Überfüllung“ muss die Kapelle für drei Jahre nach eigenen Vorstellungen ohne Unterstützung der Regierung vergrößert werden und erhält dadurch ihre heutigen Ausmaße. Die Holzdecke mit farbigen Sichtbalken bleibt der Kirche bis 1900 erhalten. Nach weiteren neun Jahren wird die große Glocke – sie hängt heute noch in unserer Kirche – umgegossen. Die erste Orgel wird 1791 eingeweiht. 1860 wird die Südtür zugemauert und 1869 die zweite Orgel eingebaut. Die 1596 gegossene kleine Glocke zerspringt 1881 und muss umgegossen werden. Zwischen 1830 und 2008 wird unsere Kirche mehrfach repariert. Bei der Renovierung 1897 erfolgt auch der Einbau einer Holzheizung.

Rechtzeitig zu Weihnachten 1918 kehrt die kleine Glocke - Gott sei Dank - unversehrt in den Turm zurück. Nachdem sie ein Jahr zuvor entfernt wurde, blieb ihr das Schicksal, für Kriegszwecke umgeschmolzen zu werden, erspart. Die gleiche Prozedur wiederholte sich im zweiten Weltkrieg, diesmal aber ohne Rückkehr und somit ohne glückliches Ende. 1920 wird eine neue Uhr eingebaut und von 1923-24 elektrisches Licht installiert. Mit Unterstützung der bürgerlichen Gemeinde konnte 1950 die kleine Glocke wiederbeschafft werden. Gleichzeitig wurde das Kirchendach neu eingedeckt. 1960 übernimmt ein elektrisches Läutwerk das Glockenläuten und bei der Vergrößerung der Sakristei erhalten die Kirchenbänke nun eine elektrische Heizung. Wegen des stärker werdenden Verkehrs wird der Haupteingang von der Ostseite auf die Westseite verlegt und die Petrusskulptur außen entfernt. 1968 kauft unsere Kirchengemeinde der bürgerlichen Gemeinde die Orgel ab. 

Nach mehr als einem Jahrzehnt findet 1979 die Skulptur unseres Namenspatrons PETRUS endlich einen neuen und angemessenen Platz im Inneren unserer Kirche. Aufwändige Umbaumaßnahmen wurden 1998 vorgenommen: Der Einbau einer neuen großen Orgel machte den Abbruch der alten Orgelempore und eine Neugestaltung des gesamten Altarraumes notwendig. Unsere Kirche erhielt so einen neuen Altar, ein neues Taufbecken und einen neuen Fußboden mit Heizung. Im gleichen Jahr wurde auch die alte Sakristei abgebrochen und durch einen Anbau ersetzt. Im Neubau der Sakristei gibt es nun erstmalig ein WC. Außerdem wurde der Aufgang zur Empore verkleidet und die gesamte Kirche innen aufgefrischt. 2002 folgte dann anlässlich der 900 Jahrfeier Degerschlachts in der neugestalteten Ortsmitte ein neuer Außenanstrich einschließlich eines neuen Hofbelages. Die Freude an der neugestalteten Kirche währte jedoch nicht lange. Bereits 2007 veranlasste die starke Rissbildung an der Kirchendecke eine umfassende Sanierung des Dachstuhls. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde auch der Kirchturm genauer unter die Lupe genommen. Man musste erschreckt feststellen, dass der Turm unterhalb des Dachstuhls massive, von außen unsichtbare Schäden aufwies, die eine noch aufwändigere Komplettsanierung auch des Turmes erzwang. Die Sanierungsmaßnahmen dauerten über ein Jahr und die Kosten stiegen auf das Dreifache der ursprünglich veranschlagen Dachsanierung an. Bei der Einweihung im Frühjahr 2008 waren wir dann alle sehr erleichtert – Gott sei Dank – die Glocken läuteten wieder.

Sickenhausen

Im Jahr 1970 standen an der alten Dorfkirche an der Eichgartenstraße umfangreiche Renovierungsarbeiten an. Die 300 Jahre alte Kirche, die einst aus einer noch älteren, ehemaligen Wegkapelle entstanden war, musste wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. So kam man auf den Gedanken, den bestehenden Kindergarten mit dem angrenzenden Gemeindesaal zu einem gottesdienstlichen Versammlungsraum zu erweitern. Der Anbau sollte äußerlich deutlich den Charakter einer Kirche signalisieren und ca. 200 Sitzplätze ausweisen

Es dauerte noch 7 Jahre, bis die Finanzierung mit der Stadt und dem Oberkirchenrat geklärt war und im Frühjahr 1977 der Rohbau für die neue Kirche begonnen wurde.

Auch ein Glockenturm konnte angegliedert und mit einer dritten Glocke ergänzt werden. Die anderen beiden Glocken stammen aus der alten Dorfkirche. Neben dem steinernen Portal zur Sakristei wurde das Rundfenster (es befindet sich heute über der Orgel), das Kreuzigungsbild, das hölzerne Kruzifix und die gottesdienstlichen Geräte in die neue Kirche überführt. Die Orgel wurde renoviert und fand zunächst auch ihren Platz in der neuen Kirche. Sie wurde 1990 durch eine neue Orgel ersetzt, die dem vergrößerten Raumangebot besser gerecht wurde.

Die Fenster stammen alle von Prof. Yelin aus Stuttgart, dessen Vater bereits das Rundfenster in der alten Kirche gestaltet hatte. Sie stellen das Motiv des Weinstocks in der aufstrebenden Fensterreihe dar und auf der oberen waagerechten Fensterreihe das Motiv der Gottesstadt. An der Nordwand sind Symbole der Trinität dargestellt. An der Ostwand über dem Altar hängt das geschmiedete Kreuz, das vom Erdkreis umspannt wird.

Vor dem Eingang des Gemeindehauses entstand ein Mosaik von der Stillung des Sturms auf dem See Genezareth. Es wurde von Albert Neuscheler gestaltet.

Der Vorschlag zur „Pauluskirche“, als Pendant zur Petruskirche in Degerschlacht, stammt von Pfarrer Frik, dem damaligen Seelsorger der beiden Gemeinden. Er war durch seinen kirchenbautechnischen und  künstlerischen Sachverstand maßgeblich daran beteiligt, dass Sickenhausen ein so ansprechendes und freundliches Kirchengebäude besitzen darf.