Andachten

Einige Kirchengemeinden im Nordraum haben beschlossen, diese Tage bis Ostern, in denen Schulen und Kirchengemeinden geschlossen sind, in denen Angst vor Corona herrscht, mit Andachten zu begleiten. Sie werden unterschiedliche Themen haben und immer dienstags, donnerstags und sonntags erscheinen. Sie können die Andachten auch als Newsletter erhalten, bitte melden Sie sich dafür bei Pfarrerin Kaltschnee per Mail an.

 

Hausgottesdienst zum Palmsonntag, 5. April 2020

Bild: Gudrun Maier

Die Idee: Gottesdienst zu Hause feiern und trotz Corona mit anderen Gemeindegliedern verbunden sein.

Kerze anzünden           -                kurze Stille

Wir feiern in Gottes Namen. Im Namen Gottes, des Vaters, der Quelle unseres Lebens, im Namen Jesu, der unser Leid kennt und im Namen des Heiligen Geistes, der uns trotz Abstand verbindet.

 

Beten                        Psalm 69 EG 731 Gott, hilf mir!

Lebendiger Gott, durch deinen Geist sind wir alle miteinander verbunden. Was mir auf dem Herzen liegt, bringe ich im Gebet vor dich. Mein Glück, aber auch meine Sorgen. Alles, was mich in der vergangenen Woche bewegt hat und was bevorsteht. Bei dir ist es geborgen, alles Freudige, alles, was wehtut und was ich mir wünsche. Du weißt, an wen ich gerade besonders denke. Stärke uns durch deinen Geist und lass uns in der kommenden Woche besonders deine Nähe spüren. Amen

 

Lied: Wie soll ich dich empfangen (EG 11,1-3) - Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß.

 

Gedanken zum Predigttext Markus 14, 3-9: Die Salbung in Betanien

Eine Frau salbt Jesus. Und die Leute regen sich auf, als sie die Frau mit dem Salböl sehen. Das war eine wahre Kostbarkeit. Sie werden verärgert und fragen sich, was denn diese Vergeudung soll. Sie waren gerade mit Jesus am Essen bei Simon, dem Aussätzigen. Es liegt nahe, dass Jesus ihn geheilt hat und nun sitzt er bei einem Ausgestoßenen und isst mit ihm. Ein Zeichen der Gemeinschaft vor Gott. Und dann kommt eine Frau mit diesem unglaublich kostbaren Öl. Man könnte das Geld doch den Armen geben, sagen die anderen und empören sich. Dreihundert Silbergroschen ist es wert, also so ungefähr ein Jahresgehalt von einem Tagelöhner, unglaublich viel Geld. Als Schwäbin kann ich die Leute irgendwie gut verstehen. Aber sie waren so aufs Geld fixiert, dass sie gar nicht gesehen haben, was für ein gutes Werk die Frau gemacht hat. Sie hat das Gebot der Stunde erkannt. Sie hat Jesus erkannt. Wie einen König hat sie ihn gesalbt. Und das als Frau und nicht als Priester. Sie hat ihn auch zum Begräbnis, das bald bevorsteht, gesalbt, denn danach war das nicht mehr möglich.

Warum wird dieser Text ausgerechnet an Palmsonntag gelesen? Ein Aspekt ist die Frage, wie wir Jesus empfangen. Hosianna rufend, wie die Menschen an Palmsonntag, oder anklagend, wie die Menschen in dieser Geschichte oder die, die ihn töten ließen. Die Salbung in Betanien steht direkt vor dem Verrat des Judas. Jesus steht kurz vor seiner Verhaftung. Und im Garten Gethsemane überkommen ihn später Angst und Schrecken, Zittern und Zagen. Die Szene mit der Frau ist wie die Ruhe vor dem Sturm. Jesus wird überreich beschenkt. Aber die Menschen am Tisch sind im materialistischen Denken gefangen. Sie denken ans Geld. Sie sehen nur den Wert des Öls und eine dahergelaufene Frau. Sie sehen nicht den Wert der Zuwendung. Jesus scheint zu ahnen, dass es ihnen irgendwie gar nicht um die Armen geht. Darum sagt er: Ihr könnt euch immer um die Armen kümmern. Ihr könnt euch ihnen immer zuwenden, wenn es euch darum geht. Dem steht ja nichts im Wege. Was hier aber geschieht, mit diesem kostbaren Öl, ist auch Zuwendung. Zuwendung an einen, der kurz vor dem Tod steht. Die Frau hat mit Jesus geteilt, was sie hatte. Hier hat die Frau nicht mal einen Namen, aber es wird gesagt, dass sie im Gedächtnis bleiben wird. Und zwar nicht unbedingt sie als Person, sondern ihre Tat der Zuwendung. Sie hat in dem Moment nicht darüber nachgedacht: was kostet das Öl, was ist es wert? Sie hat einfach gehandelt. Und Jesus hat es angenommen. Ohne nach dem Wert zu fragen, ohne zu sagen, das bin ich nicht wert. Die Logik des Berechnens wird durchbrochen. Für mich ist das ein Moment echter Begegnung, der Jesus vielleicht auch in seinem weiteren Weg bestärkt hat. Er hat diese Salbung einfach zugelassen.

Da wird nicht auf das Geld geschaut. Nicht auf den vermeintlichen Wert von etwas. Leider schauen wir auch heute wohl noch zu oft auf das Geld oder den „Wert“ von etwas und vieles läuft unter dem System des Gebens und Nehmens. Da fällt es manchmal schwer, Zuwendung einfach zuzulassen. Mir geht es zumindest immer wieder so. Da bekomme ich ein Geschenk und will es nicht ohne Gegenleistung annehmen. Oder mir nicht ohne Gegenleistung helfen lassen.

In diesen ungewöhnlichen Tagen gerade sind viele auf Hilfe angewiesen. In vielen Orten wird eine Nachbarschaftshilfe organisiert. Dabei gibt es meist mehr Helfende als Hilfesuchende. Denn es ist nicht einfach Hilfe anzunehmen. Ich kann das auch verstehen. Ich will für mich selbst sorgen können, nicht auf andere angewiesen sein. Ich will für mich selbst einkaufen und es tut ja auch gut, einmal rauszukommen. Aber, wenn wir uns bewusst machen, dass die anderen gerne helfen, und, dass wir uns und ihnen etwas Gutes tun, wenn wir uns helfen lassen, wird es vielleicht leichter. Selbst Jesus hat sich hier helfen lassen und die Zuwendung ohne Gegenleistung einfach angenommen. Jesus durchbricht das menschliche System des Gebens und Nehmens. Jesus berechnet nicht. Nicht, wenn er empfängt und nicht, wenn er gibt. Und manchmal wird dieses System des Gebens und Nehmens auch heute noch durchbrochen, gerade in diesen Corona-Zeiten. Wenn Menschen füreinander einkaufen. Wenn Menschen einander anrufen oder eine Karte schreiben. Wenn Menschen füreinander da sind und geben, was sie haben. Darin, wie die namenlose Frau Jesus begegnet, wird sie uns zum Vorbild und darin, wie Jesus von ihr empfängt, wird er uns zum Vorbild, am Anfang dieser Tage, an denen sich die Ereignisse um ihn überschlagen. Letztlich ist es die Güte Gottes, die ohne zu berechnen freigiebig ist.

 

Lied: EG 314 Jesus zieht nach Jerusalem ein.

 

Fürbitten

Gütiger Gott, dieser Tag erinnert uns daran, wie wir dich empfangen können. Dieser Tag erinnert uns daran, dass es gut ist Hilfe und Zuwendung zu schenken und anzunehmen. Wir bitten dich für alle, die helfend anderen zur Seite stehen: Für alle Ärztinnen und Pfleger, für alle, die das tägliche Leben am Laufen halten. Wir bitten dich für alle, die in diesen Tagen Hilfe brauchen: Für Kranke, Einsame und Trauernde. Steh ihnen und uns bei und mach uns deiner gütigen Zuwendung gewiss. Alles, was uns sonst noch am Herzen liegt, legen wir Dir ans Herz, wenn wir mit Jesu Worten beten: Vaterunser ….

 

Segen

Hände wie eine Schale formen und sprechen: „Gott segne uns und behüte uns. Gott lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden. Amen.“

 

Musik / Stille

Kerze auspusten

 

von Pfarrerin Inga Kaltschnee (Sickenhausen)

Andacht zum 2. April 2020 - Aufatmen sollt ihr und frei sein

Sonne geht auf

© original_clipdealer.de

Liebe Leserin, lieber Leser,

das CORONA-Virus hält die ganze Welt in Atem. Es nimmt ihr sogar den Atem. Den Atem der Weltwirtschaft, den Atem des Tourismus, den Atem der Kultur, den Atem der Schulen und Universitäten und hemmt auch den Atem kirchlicher Praxis. Es atmet also nicht mehr so selbstverständlich im globalen Gefüge.

Dazu kommt, dass gerade der lebensnotwendige Atem Überträger der Krankheit sein kann von Mensch zu Mensch. Atem wird auf einmal gefährlich. Atem trennt uns Menschen, lässt den Abstand wachsen, lässt Misstrauen wachsen, lässt Ängste und Befürchtungen wachsen.

Ein Szenario, das wir uns zuvor nicht haben vorstellen können. Ein Thema, das erst seit ein paar Wochen die Weltbühne beherrscht. Etwas unsichtbar Kleines kann zum größten GAU werden. Und unsere weltweite Verflochtenheit wird offenkundig.

Beim Nachdenken darüber kam mir ein Gedanke, ein Wunsch. Was wäre, wenn das Virus CARDIA hieße und ein Herzensvirus wäre. Ein Virus, das augenblicklich die Herzen öffnen könnte. In der Folge würden Menschen sich verbinden, sich entgrenzen, Türen sich öffnen. Alles wäre Einladung, Einladung aus Herzensgrund. Statt Ich und Du gäbe es ein Wir. Miteinander verwoben sind wir ja allemal, dies aber noch bewusster zu initiieren könnte das Virus CARDIA tatsächlich. Zuwendung und Hilfe, grenzenloses Vertrauen, Empathie und füreinander Sorgen wären die Maximen. Einbeziehen und integrieren, Synergien entwickeln und daraus Kräfte schaffen fürs Zukünftige. Und das erleben wir ja auf so vielfältige Weise gerade überall. Wunderbar.

Atmen wir tief durch. Auf keinen Fall wollen wir diejenigen sein, die andere gefährden. Deshalb sind wir auch bereit, uns zurück zu halten, uns raus zu halten und gegebenenfalls auch uns in Quarantäne zu begeben und darin auszuhalten, solange es sein muss.

Was ist das gegen die aufopfernde Arbeit der Menschen, die in unserem Gesundheitssystem, in den Krankenhäusern, Arztpraxen für die Schwer- und Schwerstkranken ihr Bestes geben. An diese Menschen denke ich in Dankbarkeit aus ganzem Herzen. An die Kinder denke ich und dass deren Eltern gesund bleiben mögen. An die Enge in manch familiären Wohnungen denke ich, wo Kinder nun wochenlang spielen, lernen und sich aufhalten sollen, an die psychische Belastung von Eltern und Alleinerziehenden. An die alten Menschen denke ich in unseren Heimen und Stiften und dass sie nicht besucht werden dürfen und an die Sorge ihrer Angehörigen. Ich denke auch an die bis zu ihrer Erschöpfung tätigen Pflegenden, die weiterhin den sozialen Kontakt gegen die Einsamkeit leisten. An finanzielle Engpässe, die existenzgefährdend sein können, denke ich und hoffe und bete: Gott verhüte das Schlimmste!

Eine Auszeit für die Erde, Sabbattage für die Schöpfung sind es auch, diese Wochen, damit sie wieder atmen kann, ihren Hals frei kriegt, ihre Lungen belüftet werden und ein wenig Heilung geschehen kann.

Und das braucht nicht nur die Erde, sondern auch wir Menschen. Sehen wir es als große Chance, aufzuatmen und uns auf Wesentliches zu besinnen. Dabei hilft mir die Einladung Jesu: „Kommt her zu mir alle, die ihr müde seid und ermattet von übermäßiger Last, die ihr seufzt unter harten Geboten und unter der Last eurer Schuld. Aufatmen sollt ihr und frei sein.  (Matthäus 11,28)

Bleiben Sie behütet und gesegnet

im Durchatmen und Aufatmen

im Vertrauen auf unseren Herrn,

Pfarrer Bernd Rexer

Andacht zum 31. März - Gott hat seinen Bogen gesetzt als Zeichen des Bundes

Image by PublicDomainPictures from Pixabay

In dieser unsicheren Zeit ermutigt mich der Regenbogen. In der Bibel wird uns erzählt: Gott setzt seinen Bogen in die Wolken. Er ist das Zeichen des Bundes zwischen Gott und uns Menschen.  Ein Zeichen dafür, dass Gott auch in schweren Zeiten für uns da ist. In den Ungewittern und den Stürmen des Lebens ist Gott da. Wir können mit ihm reden. Er hört uns. Er bleibt uns treu.

Die Coronakrise ist wie ein unerwarteter Sturm über uns gekommen. Von einem Tag auf den anderen ist so vieles so anders geworden.

Das weckt Sorge und macht Angst.

Doch der Regenbogen ist ein Sinnbild der Ermutigung:

Gott bleibt uns treu!

Der Regenbogen ist ein Zeichen des Bundes. Zu einem Bund gehören immer zwei. Wie in einem Ehebund. Da versprechen sich zwei Menschen, dass sie in Liebe füreinander da sind.

In Gottes Bund mit uns verspricht uns Gott: Ich bin für euch da. Solange die Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. (1. Mose 8,21)

Wie schön, dass wir das auch heute erleben: Die Gärten und Wiesen sind voller Frühlingsblumen, Gemüse wird gesät, Spargel werden geerntet. Am Morgen geht sie Sonne auf, nachts hüllt die Dunkelheit uns beruhigend ein. Und zu jeder Zeit können wir zu Gott beten.

Ebenso ruft der Bund mit Gott uns in die Verantwortung. Gottes größtes Anliegen an uns ist:

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Das wünscht sich Gott von uns: Dass wir liebevoll füreinander da sind.

Ich finde es sehr bewegend, zu erleben, wie viel Hilfsbereitschaft und liebevolle Fürsorge in unserer Gesellschaft und in den Gemeinden sichtbar wird. Bei Vielen lockt die Pandemie das Beste heraus, was in ihnen steckt. Viele sind engagiert, solidarisch, aufmerksam und hilfsbereit. Andere werden aus Angst rücksichtslos und egoistisch. Das kann jedem von uns passieren. Doch auch dann gibt es immer wieder die Chance, sich neu zu besinnen und liebevoll auf andere zu achten.

Gott hat jedem und jeder von uns Möglichkeiten gegeben, anderen zu helfen: Praktisch, kreativ und in aller Stille mit unseren Gebeten.

Der Regenbogen vergewissert uns: Gott ist da. Gott bleibt da. Er sieht uns und gibt uns die Kraft, die wir jetzt brauchen.

Ein herzliches „Gott befohlen“!

Waltraud Mohl

Haus-Gottesdienst am Sonntag Judika, 29. März 2020 - Pfarrerin Beate Ellenberger

© Beate Ellenberger

Trotz Einschränkungen verbunden sein

im Gottesdienst-Zuhause

 

Ankommen

Die Glocken läuten. Ich höre und schweige. Lausche und lasse ruhen, womit ich mich beschäftige. Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt. Ich zünde eine Kerze an und spreche: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Beten

Psalm 43 EG 724 Judika – schaffe mir Recht, Gott!

Lieber Gott, jeder ist bei sich zuhause. Und doch sind wir alle durch deinen Geist miteinander verbunden. Ich bringe dir im Gebet, was ich auf dem Herzen habe. Was mich schmerzt, was mich freut. Und an wen ich jetzt gerade besonders denke.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet. Amen

 

Lied Holz auf Jesu Schulter (EG 97)

Holz auf Jesu Schulter von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

Predigttext Hebräer 13, 12-14 

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

Liebe Leserin, lieber Leser, innerhalb von kürzester Zeit hat sich der Alltag von uns allen komplett verändert. Die Schüler*innen und Lehrer*innen sattelten ganz schnell auf digitales Lernen um. Eltern sind im Homeoffice kümmern sich um Kinder und sorgen sich um die Großeltern. Wie umgekehrt auch. Wir haben es erstaunlich schnell geschafft uns umzustellen auf neue Kommunikationsformen neben dem bewährten Telefon. Die Zukunft hat uns eingeholt. Pandemien waren bekannt aus Horrorfilmen oder wenn wir die Nachrichten aus China gesehen haben. Aber jetzt ist der Virus tatsächlich auch bei uns angekommen. Die Straßen sind leergefegt. Was machen wir jetzt in den Zeiten, wo wir uns normalerweise begegnen?

 

Jeder hat so seine eigenen Strategien in Krisenzeiten. Die einen verdrängen oder stürzen sich in Aktionismus. Andere ziehen sich zurück mit Sorgen und Existenzängsten. Manchen hilft ihr Humor und ihr Glaube. In vielen kommen die Sätze der Altvorderen wieder zum Klingen. Und manchmal sind es ein wenig von allem. Jedenfalls haben der Sonnenschein und die Frühlings-Boten wie Blüten und Vogelgezwitscher tapfer gegen den Corona-Blues angekämpft. 

 

Ich frage mich, wie das ist, den Satz zu hören: „Du gehörst jetzt zur Risikogruppe!“ Wir sorgen uns um die Menschen die wir lieben und die, für die wir Verantwortung tragen. Wir wollen sie schützen. Dass Abstand dabei hilft, ist paradox. Dabei können wir Langzeitpatienten mal fragen, wie sie schon seit längerem leben mit Risiken und Nebenwirkungen leben. Wie haben es Menschen mit Behinderungen geschafft, länger mit Einschränkungen durchzuhalten. Und Menschen im Gefängnis haben die Verluste, unter denen wir leiden, mit ihrer Inhaftierung schon durchlebt. Unsere alten (Groß-)Eltern- auch wenn sie schon nicht mehr leben sollten, können uns daran erinnern, wie sie in Kriegszeiten den Verlust von lieben Menschen, Heimat und Besitz bewältigt haben. Wer keine Großeltern mehr hat, kann die Menschen in den Flüchtlingsunterkünften fragen, wie das ist. 

 

Der Satz aus dem Hebräerbrief, der vielleicht zuerst nach Beerdigung klingt, hat mich sehr angesprochen: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Ich fange jetzt manchmal an mir zu überlegen, was ich alles machen möchte, wenn diese Zeit vorbei sein wird. Egal wie lange das dauert, egal, wie schlimm es kommt – ich brauche eine Perspektive. Ob realistisch-vorsichtig oder kräftig-phantasievoll: Ich will mir ausmalen, wie wir wieder Feste feiern. Konfirmation und Klassentreffen. Dienstbesprechungen mit Anstoßen. Speckstein-Workshops für Trauerbewältigung.

 

Viele fragen sich schon jetzt, wie sich unsere Gesellschaft dann verändert hat. Wie etwas von der Solidarität bleibt. Wie wir mutig geworden sind und wie die Medien mal so richtig sozial waren. Wie wir durchgehalten haben.

 

„Doch das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist.“ (Heinrich von Kleist)

 

Lied EG 576 Meine Hoffnung und meine Freude meine Stärke, mein Licht: Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

 

Fürbitten

Wir beten zu Dir Gott und bitten Dich für alle Menschen, die uns nahestehen. Für die, mit denen wir es schwer haben. Schenke uns Geduld. Sei nahe den Kranken und den Pflegenden. Gib den Politikern den Geist für Entscheidungen, die jetzt dran sind. Stehe denen bei, die anderen beistehen. Schick uns Deine Engel. Dir befehlen wir die Kinder an, die hätten getauft werden sollen. Die Jugendlichen, deren Konfirmation verschoben wird. Die Sterbenden und Trauernden aus unseren Gemeinden. Alles, was uns sonst noch am Herzen liegt, legen wir Dir ans Herz, wenn wir mit Jesu Worten beten: Vaterunser ….

 

Und bis wir uns wiedersehn, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

 

Segen

Hände wie Schale formen und sprechen:

Gott segne uns und behüte uns. Gott lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden. Amen.

 

Musik / Stille

Kerze auspusten

 

© Birgit Hertrich

Andacht zum 26.03.2020

© Bild: Gudrun Maier

„Baum, Baum“, schreit mein kleiner Sohn begeistert. Er ist gerade dabei Sprechen zu lernen. Wenn er ein Wort kennt und das Bezeichnete sieht, ruft er es gerne mal 20-mal hintereinander und freut sich wie verrückt. Er hat einen Baum gesehen! Habe ich mich jemals so gefreut, einen Baum zu sehen?

Ich vielleicht nicht - jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern -, aber ich kenne die Geschichte von einem, der sich bestimmt wahnsinnig gefreut hat, einen kleinen Zweig zu sehen. Und Sie kennen die Geschichte auch! Die Geschichte steht in der Bibel und handelt von Noah. Noah hat wahrlich düstere Zeiten erlebt. 40 Tage und 40 Nächte hat es geregnet, ununterbrochen. Kaum vorstellbar ist so eine Situation. Die ganze Zeit eingezwängt auf einem Boot, niemand kann raus und draußen ist es nur düster. Aber es regnet nicht nur lange, insgesamt sollen sie über 150 Tage auf der Arche verbracht haben. Dann ließ Noah einen Raben ausfliegen, um zu schauen, ob es schon wieder Land gab und dann eine Taube, aber sie kam wieder zurück. Noah und seine Familie brauchten noch etwas Geduld. Nach weiteren sieben Tagen, sandte Noah wieder eine Taube aus. „Sie kam zu ihm um die Abendzeit, und siehe, sie hatte einen frischen Ölbaumzweig in ihrem Schnabel. Da merkte Noah, dass die Wasser sich verlaufen hatten auf Erden.“ (1. Mose, 8,11)

Ob und wie er sich wohl über diesen kleinen Zweig gefreut hat? Ich stelle mir vor, wie er voller Begeisterung rief: „Ein Zweig, ein Zweig.“ Und wie die Freude sich ausbreitete. Vielleicht lagen sie sich in den Armen, alle düsteren Gedanken waren wie weggeblasen und die Erleichterung breitete sich aus.

In unserer Kirche in Sickenhausen hängt in der Passionszeit ein Parament, ein Bild von der Taube mit diesem Zweig. Es ist ein Hoffnungsbild. Es ist ein Zeichen dafür, dass düstere Zeiten nicht für immer bleiben. Manchmal brauchen wir große Geduld und es gibt auch Rückschläge, wie als Noah den Raben aussandte. Auch die Taube kam beim ersten Mal ohne Hoffnungszeichen zurück. Aber letzten Endes kam die Taube mit dem Zweig.

Wir wissen nicht, wie lange die Corona-Krise noch dauern wird und wieviel Geduld wir noch brauchen. Es wird vielleicht auch enttäuschte Hoffnungen geben. Aber jeder Baum, der in diesen Tagen blüht, erinnert mich daran, welche Hoffnung ich habe. Jeder blühende Baum ist ein Zeichen dafür, dass wieder Neues entstehen kann und auf jeden Winter ein Sommer folgt.

Und wenn mein kleiner Sohn sich in diesen Tagen über einen Baum freut, dann denke ich an Noah und freue mich mit.

 

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und die Erinnerung an diesen kleinen Zweig, der so große Freude verbreitet hat.

Bleiben Sie gesund und gesegnet, Ihre Pfarrerin,

Inga Kaltschnee

Andacht zum 24.03.2020

© original_clipdealer.de

Betende Hände – so heißt ein berühmtes Bild des deutschen Malers Albrecht Dürer (1471 – 1508). Dürer fertigte die Zeichnung im Jahre 1508 als Studie für den Heller-Altar in der Dominikanerkirche in Frankfurt an.

 

Mich fasziniert diese Zeichnung immer wieder aufs Neue: Zwei einfache Hände eines Menschen sind zum Gebet gefaltet. Die Spuren des Lebens scheinen sich in ihnen abzuzeichnen. Sie beten: Flehend und klagend? Stürmisch, unnachgiebig und unablässig? Dankbar? Bittend?

 

Zwei einfache Hände eines Menschen sind zum Gebet gefaltet. Sie beten. Sie beten vielleicht wie der Verfasser des Kolosserbriefes, der an die Adressaten seines Schreibens denkt und für sie eintritt. Im Lehrtext zur heutigen Tageslosung heißt es dazu in Kol 1,9:

Darum lassen auch wir nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht.

 

Menschen, die an andere denken und für andere einstehen, braucht es immer und immer wieder. Auch gerade jetzt, wo Solidarität unter- und miteinander mehr denn je gefragt scheint. Der Verfasser des Kolosserbriefes stimmt in diese Solidarität in einer Zeit mit ein, in der seine Gemeinde mit vermeintlicher „Philosophie“ und falscher Lehre (vgl. Kol 2,8) von Irrlehrern konfrontiert ist. Sie soll getröstet und in Liebe zusammengehalten werden, indem er an sie denkt, für sie betet und bittet: Er tritt unablässig für sie ein und ist im ständigen Austausch und im ständigen Gespräch mit Gott – in der Hoffnung und im Vertrauen auf ihn. Auf Gott, von dem er für die Menschen in der Gemeinde die „Erkenntnis seines Willens“, „Weisheit“ und „Einsicht“ erbittet: Es geht ihm gewissermaßen um ein Leben, das sich aus Gottes Wort speist, prüfend und abwägend nach der richtigen Haltung fragt und „verwurzelt und gegründet und fest im Glauben“ (Kol 2,7) in Jesus Christus in ein konkretes Tun mündet. In ein Tun, das den Mitmenschen im Blick hat und „Weisheit“ und „Einsicht“ dafür schenkt, was die oder der Andere gerade besonders braucht und nötig hat.

 

Darum dürfen wir im Gebet immer wieder bitten. Denn das Gebet ist, so hat es Dietrich Bonhoeffer einmal gesagt, die „Kraft des Menschen […]. Beten ist Atemholen aus Gott.“

 

Ich wünsche uns allen, dass uns das Gebet die Möglichkeit schenkt, bei Gott in diesen bewegten Zeiten immer wieder neu Atem zu holen:

·         Atem zu holen für uns selbst – bei ihm und seinem mutmachenden Wort.

·         Atem zu holen, um mit der rechten „Weisheit“ und „Einsicht“ handeln und für Andere da sein zu können.

·        Atem zu holen, um Kraft zu schöpfen und das Vertrauen nicht aufzugeben, dass wir auch in dieser schweren Zeit getragen sind.

·        Atem zu holen, um Dank für die kleinen Glücksmomente sagen zu können, die wir gerade trotz allem erfahren. Oder denen, die sich einem Risiko aussetzen, unser Leben am Laufen halten oder Einsamkeit überbrücken: Dem Personal in den Krankenhäusern, in den Pflegeheimen, in der Lebensmittel- und Stadtversorgung, in den Parlamenten, den Menschen bei Ihnen und mir zu Hause.

 Pfarrer Jonathan Hörger-Jebe

 

Quellen: Dietrich Bonhoeffer, Barcelona, Berlin, Amerika 1928-1931 (DBW 10), 22005, 544.

Haus-Gottesdienst am Sonntag Lätare (Freut euch!), 22. März 2020

Bild: ©Thomas Soffner

Die Idee: zu Hause feiern – und trotz Corona mit anderen Gemeindegliedern verbunden sein. Die Gedanken stammen von Pfarrer Thomas Soffner.

Kerze anzünden                             kurze Stille

Eingangsgebet

Herr, ich bin hier (wir sind hier), jeder bei sich zuhause

und doch durch deinen Geist alle miteinander verbunden

Ich bringe dir im Gebet, was ich auf dem Herzen habe.

Mein Glück, aber auch meine Sorge. Alles was diese vergangene Woche war.

Was bevorsteht. Was wehtut. Was ich mir wünsche.

Bitte sprich zu mir durch dein Wort. Schenke mir Hoffnung, Halt und Stärke durch dich.

Und so feiere ich (so feiern wir) in deinem Namen Gottesdienst. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: Korn das in die Erde (EG 98)

Gedanken zum Wochenspruch

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12,24)

Corona-Zeiten: viel Unsicherheiten und Einschränkungen. Leid, wenn in Krankenhäusern und Heimen kaum noch oder nicht mehr besucht werden kann, wenn der Lebensunterhalt unsicher wird oder wegbricht … Angst, krank zu werden, für manche auch der Tod. Wir wissen nicht, wie lange es dauert und wie schlimm es wird, täglich neue Aussagen, immer neue Maßnahmen. Man fühlt sich ausgeliefert und hilflos.

Und wir sind in der Passionszeit, sollen also trotz Corona an ein ganz anderes Leiden und Sterben denken: was Jesus durchgemacht hat und wie er gestorben ist, vor langer Zeit. Warum?

Weil Jesus nicht nur gestorben ist, sondern auch von Gott auferweckt worden ist. Und so ist sein Tod zum Versprechen geworden: Vieles kann in der Welt geschehen, aber Gott nimmt nicht alles hin. Und Gott kann immer noch etwas tun. Nicht nur an Jesus, auch an uns.

Darum ist Jesus nicht umsonst gestorben. Sein Tod bringt uns etwas, er bringt Frucht.

Durch seinen Tod hat Gott sich mit uns versöhnt: Was er gegen uns vorbringen könnte, lässt er fallen, er lässt sich nicht gegen uns aufbringen. Gott hat sich auf unsere Seite gestellt. Und durch seinen Tod bittet Jesus uns: Versöhnt euch mit Gott, vertraut euch ihm an, lasst euch verändern.

Jesus hat ein unruhiges, schwieriges Leben auf sich genommen, er ist gestorben, wie wir – wie wir im schlimmsten Fall. Jesus, der Sohn Gottes, Gott der Sohn. Gott schaut nicht von oben zu, wenn wir in Not sind und weiß letzten Endes nicht, wie das ist, als Mensch zu leben. Er kennt unser Leben von innen. Was uns bedrückt und Angst macht, erlebt er genauso drängend wie wir, er hat erfahren, wie das ist ausgeliefert und machtlos zu sein. Nichts, was uns geschieht, kann ihm egal sein. Und er erlebt auch unsere Freuden mit uns. Er freut sich an allem, was für uns das Leben gut macht.

Gott lässt anscheinend viel geschehen, viel mehr als wir verstehen. Aber durch Jesus hat er klargemacht, dass er nicht alles hinnimmt, schon gar nicht für immer. Das hat Jesus verkündigt, er hat das Reich Gottes angesagt. Und er hat „Wunder“ getan, eingegriffen, wo Menschen keine Chance mehr sahen. Ein Zeichen, dass Gott das Geschehen in der Welt nicht einfach aus der Hand gleitet. Und als Gott Jesus von den Toten auferweckt hat, hat er klargemacht: Dazu steht er.

Jesus Tod hat uns etwas gebracht. Er trägt für uns Früchte. Aber wir können nicht nur die Früchte seines Todes ernten, wir können auch selbst Früchte seines Lebens und Todes werden, weitertragen, was er gebracht hat.

Jesus hat nicht nur viel, eigentlich alles, von Gott erwartet. Er hat aus dieser Erwartung heraus gelebt: Er hat das menschliche Leben mit allen Unsicherheiten und Risiken, mit dem Entsetzen über manches, was er sah, mit dem Leid, dass er ertragen hat angenommen. Ihm ist darüber die Welt nicht zum Jammertal geworden. Er hat nicht vergessen, dass Gott es auf Böse und Gute regnen lässt, er hat die Schönheit der Blumen nicht übersehen, die Gottes Schöpfung sind, er hat gewusst und daran erinnert, dass aus einem Korn hundert wachsen können … Diesem Gott hat er vertraut, darauf, dass er das Leid in der Welt auf Dauer nicht ertragen wird. Zu diesem Vertrauen lädt er uns ein.

Jesus hat die Welt und ihr Leiden angenommen, aber nicht hingenommen. Er hat sich ihm entgegengestellt, mit den Möglichkeiten, die Gott ihm gegeben hat. Er hat sich nicht entmutigen lassen, weil er immer wieder an Grenzen gestoßen ist. Wir vergessen oder verdrängen leicht, wie wenig er in seinem Leben die Welt tatsächlich verändert hat. Er hat das gesehen und ausgehalten. Was er tun konnte, daran hat er Gott am Werk gesehen. Und er wollte nichts anderes tun. In diese Lebenshaltung will er uns hineinziehen.

Jesus hat ein normales, halbwegs sicheres Leben mit einem Beruf, eingebunden in eine Familie und die Gemeinschaft seiner Heimatstadt dafür aufgegeben, sich auf ein ganz anderes Leben und seine Risiken eingelassen. Das sollten wir nicht vergessen, jetzt, wo wir uns plötzlich ganz anders verhalten sollen, als wir es sonst mit guten Gründen tun. Wir leiden darunter, dass das Leben so anders geworden ist, wir sperren uns dagegen, suchen Schlupflöcher. Bei manchen geht das so weit, dass sie einfach die Wirklichkeit verdrängen, große Partys feiern, als würde man dadurch nicht sich und andere in Gefahr bringen. (Ich ertappe mich selber dabei, dass ich nach Schlupflöchern suche, wie man doch über Ostern noch ein paar Gottesdienste hinmogeln könnte.) Jesus macht uns Mut, das Leben, wie es ist, anzunehmen und in seinen Grenzen zu gestalten. Er hat es vorgemacht. In den Grenzen, die uns jetzt gesetzt sind, können wir Wege finden füreinander da zu sein und füreinander zu sorgen. Und wir können aushalten, was uns jetzt abverlangt wird. Wir können uns an dem freuen, was auch jetzt schön und gut ist. Das ist eine Frucht seines Lebens für uns – und wir werden Frucht seines Lebens für die Welt, wenn wir ihm da nachfolgen.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Frucht in unser Leben hinein, in die Welt hinein, und weit über die Corona-Zeiten hinaus.

Gebet:

Du Gott des Lebens, wir sorgen uns um unsere Gesundheit und die Gesundheit unserer Lieben. Hilf uns, dass wir gute Entscheidungen treffen und nicht leichtsinnig handeln. Und hilf uns auch, dass wir uns nicht von der Angst kontrollieren lassen.

Wir bitten dich für alle Kranken. Wir bitten Dich, dass die Intensiv- und Beatmungsplätze ausreichen, damit alle die es benötigen, versorgt werden können.

Wir bitten Dich für alle Beschäftigten in den Arztpraxen, Krankenhäusern, Laboren und alle, die für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens wichtig sind. Schenke du ihnen zusätzlich Kraft, damit sie ihren Dienst tun können. Beschütze sie vor Ansteckung und Überlastung.

Wir bitten Dich für alle, die Verantwortung tragen, dass sie weise Entscheidungen treffen. Leite Du sie.

Du Gott des Lebens, erbarme dich über uns und hilf uns dir zu vertrauen. Tröste uns in der Not. Stärke uns in der Liebe. Lass uns erfahren, dass du da bist.

Vaterunser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft Und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen (laut sprechen) (eventuell Hände zum “Segenskörbchen“ falten oder Hände öffnen)

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen

Stille                                      -           Kerze auspusten

Andacht zum 19.03.2020

Bild: ©Beate Ellenberger

 

Wie ist das, wenn eine/r Hilfe braucht….

 

Das ist, was Jesus dazu erzählt.

 

Einer ist ganz eifrig. Will alles richtig machen und ewiges Leben.

Er fragt Jesus nach den Vorschriften.

Dann fäll es ihm selbst ein, was er gelernt hat.

Liebe Gott und deinen Nächsten und dich selbst.

Stimmt, sagt Jesus. Tust du das, wirst du leben.

Eigentlich einfach. Aber es könnte unbequem werden.

Darum vielleicht erst mal die mal die Gegenfrage stellen:

 

 

Wer ist denn mein Nächster?

 

Jesus erzählt es ihm, wer der Nächste ist. Und so ist es bis heute.

Einer wird überfallen. Er liegt am Boden. Es geht ihm schlecht.

Die Räuber machen sich aus dem Staub.

Andere sind da auch unterwegs.

Ein Priester kommt vorbei. Der Priester sieht den Überfallenen und geht an ihm vorbei.

Ein Levit. Von dem hätte man auch erwartet, dass er hilft.

Der Levit sieht ihn und geht auch an ihm vorbei.

Jetzt kommt einer, von dem erwartet sonst keiner etwas.

Ein Ausländer. Einer mit anderem Glauben. Das ist der Samariter.

Der Samariter sieht den Verwundeten und bekommt Mitleid.

Der Samariter geht nicht an ihm vorbei. Er ist barmherzig.

Er hilft dem Verletzten, versorgt seine Wunden und bringt ihn in die Herberge.

Dort ist der Wirt. Er sorgt weiter für den Verwundeten.

Der Samariter bezahlt dem Wirt die Pflege ordentlich.

Und er will wiederkommen und nach ihm sehen.

 

Jetzt sag mal: Wer von den dreien ist der Nächste geworden für den Überfallenen?

Die Antwort ist klar: Der, der geholfen hat.

Jesus sagt: Dann geh und mach es ebenso.

 

So ist es doch. Eine alte Geschichte.  Es passiert jeden Tag.

 

Einer braucht Hilfe.

Zwei helfen nicht. Einer hilft.

Kein Vorwurf, kein Lob.

Keine Unterlassungsklage, kein Bundesverdienstkreuz.

Einer braucht Hilfe.

Einer hilft.

Und wem bist du der Nächste?

 

Leidvoll ist jetzt: Wir sollen einander nicht so besuchen wie sonst.

Und eigentlich täte jetzt der Zusammenhalt mit Familie und Freunden gut.

Aber wer sagt denn, dass man ein kleineres (Enkel)Kind nicht auch mal ein wenig über das Telefon hüten kann?

Oder den Schulkindern und Abiturienten am Telefon zuhören.

Ihnen von früher erzählen oder erklären, wie man Brot bäckt.

Und die Jungen kennen sich mit dem Internet aus.

Die Hilfsnetzwerke von Facebook können durch sie zur (Ur)Oma gelangen.

Und schon sind für die beiden Katzen der Oma, die im Krankenhaus liegt, zwei Körbe gefunden.

Dazu gleich mehrere Alternativen zum Füttern.

 

 

Vielleicht brauchst Du in diesen Tagen selbst ganz praktische Hilfe.

Dann melde Dich bei jemandem.

Auf Facebook und in der analogen Welt.

Spätestens in diesen Tagen wird Nachbarschaft wichtig.

Es gibt so viele Wege zueinander. Wir lernen dazu. Wir werden mutiger.

 

Wer hätte das gedacht: Es gibt doch so viele Samariter*innen.

Da wird die Welt für diesen Moment wieder rund und schön.

Lasst uns das nicht übersehen. Und den Frühling und die Blumen.

 

 

Wir können die Menschen, die wir lieben, nicht alle so kontaktieren wie sonst.

Aber füreinander beten. Aneinander denken.

Wenn viele mitmachen, teilen wir mit dem Licht die Hoffnung für die Welt.

Lasst uns beim Abendläuten eine Kerze ins Fenster stellen und beten.

 

Herzliche Grüße

Pfarrerin Beate Ellenberger, Rommelsbach – Abendläuten hier um 18 Uhr

 

 

Mein‘ Leib und meine Seele,

Gemahl, Gut, Ehr und Kind

in dein Händ ich befehle

und die mir nahe sind

als dein Geschenk und Gab,

mein Eltern und Verwandten,

mein Freunde und Bekannten

und alles, was ich hab.

 

(Evangelisches Gesangbuch, Nummer 443, Strophe 4)

 

 

Diese Andacht ist zum Teilen gedacht.

Ruf doch mal bei jemandem an und lass Deine Stimme hören.

Das kann guttun, und dann fällt einem die Decke nicht auf den Kopf!

 

Frag vorher vielleicht, ob das Ohr am anderen Ende das gerade hören kann.

Jesus hat die Leute, denen er geholfen hat, auch erst mal gefragt:

Was willst Du, was ich für dich tun soll?

 

Andacht zum 17.03.2020

Sonne und Natur

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„Man muss dankbar sein“, das sagte vor einigen Monaten eine ältere Frau zu mir. Sie wohnt alleine und freut sich über den Besuch der Pfarrerin. Als ich sie frage, wie es ihr geht, sagt sie diesen Satz.

„Man muss dankbar sein.“

Ich höre diesen Satz so oder so ähnlich öfter von älteren Menschen. „Wofür sind Sie denn dankbar?“, frage ich dann zurück.

„Dafür, dass ich jeden Tag aufstehen kann.“

„Für meine lange Ehe, auch wenn es nicht immer leicht war.“

„Für meine Nachbarn.“

 „Dafür, dass mein Garten blüht.“

„Dafür, dass ich nach meinem Unfall wieder auf die Beine gekommen bin.“

Viele Gründe, um dankbar zu sein. Die Dankbarkeit kann die Perspektive wechseln, weg von dem, was schief geht oder schlecht ist, hin zu dem, was gelungen ist oder wo ich beschenkt wurde in meinem Leben.

Und wofür sind Sie dankbar?

Was sind die kleinen Freuden in diesem ungewöhnlichen Alltag für Sie? Was sind die großen Freuden oder Geschenke in Ihrem Leben?

Ich bin in diesen Tagen dankbar für die Frühlingssonne, für die Solidarität, die zwischen den Menschen wächst, für eine alte Freundin, die fragt, wie es mir geht und für das leckere Eis, das ich auf meinem Balkon essen konnte. Und ich bin dankbar für meinen Glauben und das Gebet, in dem ich Gottes alles sagen kann, was mich bewegt. Ich kann Ängste abladen und Ruhe finden. Ich kann aber auch daran erinnert werden, dass ich reich beschenkt bin.

In einem Psalm in der Bibel heißt es: „Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Ps 103,2)

Manchmal vergesse ich, dass ich dankbar sein kann und dann bin ich froh, wenn mich jemand daran erinnert. Wenn mich beispielsweise der Psalm oder die ältere Frau darauf hinweist, was es alles Gutes in meinem Leben gibt.

Bleiben Sie gesund und gesegnet!

Ihre Pfarrerin

Inga Kaltschnee